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Axial, diagonal, radial?

von Dr.-Ing. Michael B. Schmitz, Leitung Forschung und Entwicklung Aerodynamik und Simulation ebm-papst St. Georgen

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Warum es verschiedene Lüfterformen gibt

Kurz gesagt, soll ein Lüfter Luft bewegen, einen bestimmten Druck erzeugen, und das möglichst effizient und leise. Um zum Beispiel elektronische Bauteile zu kühlen, benötigt man kalte Luft, die die Wärme aufnimmt, und Druck, der sie gegen den Widerstand durch das Bauteil abführt. Für viele Anwendungsfälle sind Ventilatoren die beste Option hinsichtlich Geräusch und Wirkungsgrad. Zudem besitzen sie wenig bewegte Teile und generieren einen kontinuierlichen Luftstrom bei kleinstem Bauraum. Um zu verstehen, ob für eine bestimmte Anwendung ein Axial-, Radial- oder Diagonallüfter optimal ist, soll kurz die prinzipielle Funktionsweise beschrieben werden.

Der Druck entscheidet

In Axiallüftern entsteht der Druckaufbau dadurch, dass die einströmende Luft durch die Schaufeln umgelenkt wird und den Lüfter auf spiralförmigen Bahnen verlässt. Dabei hängt der Druckaufbau ab vom Winkel, den die Luftströmung relativ zum Schaufelprofil bildet. Soll mehr Druck erreicht werden, muss dieser Winkel vergrößert werden. Dieses Prinzip hat seine Grenzen: Wird der Anströmwinkel zu groß, reißt die Profilströmung ab und der Lüfter arbeitet ineffizient und mit mehr Geräusch.

Wird mehr Druck benötigt, werden Lüfter eingesetzt, die zusätzlich zu den beschriebenen Effekten die Zentrifugalkräfte benutzen. Wie in jedem rotierenden System ist auch die Luft im Lüfterrad Zentrifugalkräften ausgesetzt, die sie nach außen schleudern. Werden Axiallüfter bei kleinen Volumenströmen betrieben, blockiert ein Teil der Luft den Schaufelkanal und zwingt die durchströmende Luft auf eine radiale Bahn durch den Lüfter. Die Zentrifugalkräfte sind dann zunehmend am Druckaufbau beteiligt. Der Axiallüfter verhält sich in diesem Betriebsbereich ähnlich wie ein Radialventilator.

Entsprechend kommen dann Diagonal- oder Radialventilatoren zum Einsatz, wenn relativ zum Volumenstrom mehr Druckaufbau benötigt wird. Bei reinen Radiallüftern ist der Zentrifugaleffekt sogar der dominierende Mechanismus, den es gilt bestmöglich umzusetzen. Bei gleichem Radaußendurchmesser und gleicher Drehzahl können Radialventilatoren wesentlich höhere Drücke erreichen als Axialventilatoren, deren Anwendungsbereich immer da ist, wo relativ große Luftmengen mit minimalem Aufwand bewegt werden müssen.

Neue Messtechnik

Mit diesen grundsätzlichen Überlegungen kann dann der Lüfter aerodynamisch ausgelegt und optimiert werden. Dazu wurden in der Vergangenheit experimentelle Methoden entwickelt und verfeinert, die zusammen mit mathematischen Modellen auch heute noch die Grundlage der Lüfterentwicklung bilden.
Heute werden zunehmend computergestützte Methoden angewendet, die es erlauben, sogenannte numerische Experimente durchzuführen. Computational Fluid Dynamic (CFD) wird überall dort eingesetzt, wo Stoff- und Wärmetransportaufgaben zu lösen sind.

Prinzipiell kann mit CFD ein Lüfter nur mit den Vorgaben für Volumenstrom und Druck ausgelegt werden. Die Optimierung einzelner Lüfterkomponenten sowie des Gesamtsystems sind heute die Designziele hin zu leiseren und effizienteren Produkten. Beispiele dafür sind die verwundenen Blätter moderner Lüfter oder spezifische Blattspitzenformen. heute ist es möglich, Lüfter für spezifische Anwendungen auszulegen und entsprechend optimierte Systeme zu realisieren. Die Stärken von CFD sind die einfache Variantenänderung und die detaillierte Analyse der Strömung. Damit haben sich auch die Anforderungen an die Messtechnik verändert. Experimente werden heute nicht nur im Auslegeprozess benötigt, sondern dienen auch zum Nachweis und als Auswahlkriterium für zuvor berechnete Varianten neuer Lüfterkonzepte.

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Dr.-Ing. Michael B. Schmitz, Leitung Forschung und Entwicklung Aerodynamik und Simulation ebm-papst St. Georgen

4 Kommentare
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  1. Guten Tag Herr Schmitz, hab ich durchgelesen ist intressant, habe mir per e-bay einen Radiallüfter von Ihnen ersteigert.
    Ich will einen Holzvergaserofen (Kessel) selber bauen.
    Nun zum Lüfter er scheint mir ideal, weil er eine Steuerung besitzt, aber leider finde ich kein Schema dazu, der Typ ist: G1G170-AB43-26 230V AC ich währe Ihnen dankbar wenn Sie mir weiterhelfen können.
    Ich habe bereits über die normale Schiene versucht, wurde umgeleitet auf ebm france und da kennt man den Lüfter nicht.
    Ich freue mich auf eine Antwort, mit herzlichem Dank aus dem schönen Burgund
    mfg. h.sorgen

  2. Guten Tag Herr Sorgen, vielen Dank für Ihr Interesse – wir haben Ihre Anfrage an die zuständigen Kollegen weitergeleitet. Diese werden sich direkt bei Ihnen melden.

  3. Hallo Hr. Dr. Schmitz, ich habe folgende Frage:
    Ich baue Computermodule mit vielen Platinen und z.B Grafikkarten zusammen. Die Komponenten werden in Boxen Verbaut und zwischen den Komponenten (Kühlkanäle etwa 5mm Breite x 100 mm Höhe x 200mm Tiefe) erfolgt die Kühlung . Luft wird auf der einen Seite in die Box reingeblasen und auf der anderen Seite wieder abgesaugt. Meine Frage . Ist für die Durchströmung und bessere Kühlperformance ein drückender oder ein saugender Lüfter vorteilhafter. Momentan benutze ich drückende Lüfter (Radialgebläse). Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen. Vielen Dank
    miroslaw franz

  4. ” Der Betrieb “saugend” oder “blasend” hängt sehr stark von der speziellen Applikation ab. Der Vorteil eines saugend betriebenen Lüfters (Anordnung stromab) ist die relativ(!) gleichmäßige Geschwindigkeitsverteilung über den Einsaugquerschnitt. Vielfach überwiegt dieser Vorteil bei weitem die Nachteile dieser Anordnung, nämlich: schwierige Kühlung von hot-spots, relativ kleiner Wärmeübergang vom zu kühlenden Bauteil durch die nicht sehr stark turbulente Luft und die höhere Ansaugtemperatur der Luft in den Lüfter. Der dritte Punkt ist wiederum oft das Kriterium, das über eine mögliche stromauf Anordnung (blasender Betrieb) entscheidet.
    Vorteile hier: Ansaugen von kühler Umgebungsluft, also geringere thermische Belastung des Lüfters, ein bessere Wärmeaufnahme der Luft durch die wesentlich größere Turbulenz im Lüfternachlauf und die Möglichkeit, einfacher hot-spots zu kühlen. Der gravierende Nachteil einer blasenden Lüfteranordnung in vielen Anwendungen ist die ungleichförmige und vom Betriebspunkt abhängige Geschwindigkeitsverteilung am Lüfteraustritt.

    Wir hoffen Ihnen weitergeholfen zu haben und wünschen Ihnen viel Erfolg bei Ihrem Vorhaben.

    Mit freundlichen Grüßen

    Michael B. Schmitz, Dr.-Ing.
    Leitung Forschung und Entwicklung
    Aerodynamik u. Simulation”

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